Samstag, August 26, 2006

Sonstiges: Eigene Beurteilung schreiben

Es gibt meiner Meinung nach zwei mögliche Ausgangssituationen für die Anweisung, sich seine Beurteilung selbst zu schreiben:

  1. Der Chef ist sehr zufrieden mit der geleisteten Arbeit, hat aber keine Lust sich selbst die Mühe zu geben, dem getreuen Mitarbeiter eine persönliche Beurteilung zu schreiben. Das ist einerseits ok, kann sich doch der “Delinquent” mit ein bisschen Mühe und ein paar Recherchen ein zukunftsfähiges Zeugnis ausstellen. Auf der anderen Seite ist es ein Unterschied fürs Ego, ob man sich selber lobt, oder ob es direkt vom Chef kommt inklusive persönlicher Note. Wenigstens den Schlusssatz würde ich mir als Chef nie nehmen lassen. In vielen Unternehmen scheint es leider nicht mehr so zu sein, dass es die oberste und höchste Verantwortung des Chefs ist, das Personal zu steuern und als Kümmerer für alle Belange auch ansprechbar zu sein.

  2. Es handelt sich um einen Test. Wie schätzt sich der Untergebene selber ein? Ich gebe zu, dass das sehr interessant für den Chef sein kann. Dennoch finde ich das ehrlich gesagt eine ziemlich miese Nummer. Der Untergebene kann dabei nämlich nicht gewinnen. Schätzt er sich “marktüblich” ein und lobt sich in hohen Tönen steht er als arrogant dar. Ist er realistisch und bescheiden, übernimmt der Chef vielleicht Teile und man kann nicht mal klagen, weil man es ja selbst geschrieben hat. Ein wohlwollender Chef wird seine Mitarbeiter nicht in so eine Zwickmühle hineinmanövrieren. Stattdessen wird er ein angekündigtes Gespräch führen und in aller Ruhe das durch den Mitarbeiter Erreichte sowie dessen Stärken und Schwächen besprechen.


Allerdings ist es für jeden einzelnen sehr wohl sinnvoll, sich selbst und nur für sich selbst einmal eine Beurteilung auszustellen. Das schult in mancherlei Hinsicht. Zum einen macht man sich viel zu selten seine eigenen Erfolge bewusst. Zum anderen erkennt man vielleicht auch wirkliche Schwächen im Gesamtprofil, die es anzupacken gilt.

Ich empfehle die Handelsblatt-Rubrik Business Behavior, wo ich zu diesem Thema auch einen guten Beitrag gelesen habe, den ich jetzt aber leider nicht mehr finde.