KM: Muss es denn immer gleich ein DMS sein?
Kürzlich ist ein wichtiger Ordner verschwunden, der zur gemeinsamen Befüllung in einem unserer "öffentlichen" Laufwerke abgelegt war. Das gab vielleicht Hektik. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass ein Nutzer den Ordner per drag and drop kopieren wollte und dabei ausversehen über dem falschen Ordner losgelassen hatte, natürlich im Verschiebemodus. Als er den Fehler bemerkte, drückte er sofort auf Abbrechen - damit war dann vieles weg und manches durcheinander. Kurze Zeit später schon schwirrten diverse aber nicht gerade aktuelle Stände der Dateien herum.
Wie konnte das passieren? In aller Kürze: Die Rechte waren nicht restriktiv genug gesetzt, die Verzeichnisstruktur verwirrend und kompliziert. Es gab kein geordnetes Versionsmanagement.
Lessons learned? Nachdem die IT-Abteilung per Backup den Ordner wiederhergestellt hatte, ging alles genau so weiter wie bisher.
Und damit komme ich auf das Thema DMS (Dokumentenmanagementsystem). Denn solche Ereignisse geben natürlich Wasser auf die Mühlen der Verkäufer teurer Softwarelösungen.
Ein DMS ist sicher keine schlechte Sache. Das oben geschilderte Horror-Szenario wäre uns bestimmt erspart geblieben. Doch verursacht es natürlich auch hohe Kosten, zum einen während der Einführung, zum anderen auch im Betrieb, z.B. durch fortwährend nötige Mitarbeiterschulungen. Denn was nutzt das tollste System, wenn die Dokumente weiterhin auf der lokalen Platte schlummern.
Deswegen stellt sich die Frage, ob es nicht ein einfacherer Ansatz auch tun kann, gerade in kleineren und mittleren Unternehmen. Zum Beispiel die umsichtige Nutzung von Bordmitteln wie etwa gemeinsamen Laufwerken mit einer durchdachten und intuitiven Struktur sowie sorgfältig vergebenen Rechten. Wenn eine Datei oder ein Verzeichnis logisch an mehrere Orte passt, so müssen die entsprechenden Verknüpfungen existieren um soweit irgend möglich Redundanzen zu vermeiden.
Um eine überlegte Struktur herzustellen, müssen Verantwortlichkeiten verteilt werden, so dass in jeder Arbeitsgruppe oder Abteilung ein Dokumentenmanager bestimmt wird. Diese müssten sich bei Bedarf austauschen, um die Gesamtstruktur zu harmonisieren.
Weiterhin müssten die Nutzer angehalten werden, ihren Dateien aussagekräftige Namen zu geben und, wo irgend möglich, Metadaten nach einem festen Schema beizufügen.
Je nach Größe der Gemeinschaft müsste es Leute geben, die regelmäßig alle öffentlichen Laufwerke auf Einhaltung der oben genannten Regeln inspizieren und bei Bedarf nachhaken.
Doch all das kann nur unter einer Bedingung überhaupt funktionieren: Der Chef muss mit gutem Beispiel vorangehen.
Wer diese Aussagen jetzt als Binsenweisheiten abtut, der sollte einen Blick in die gängige Unternehmenspraxis werfen.