Webpräsenz von Steffen Mazanek

Netzwerkstrukturen in der Go-Community

Vom 13.06.06 bis 30.07.06 habe ich im Internet eine Umfrage über die Netzwerkstrukturen innerhalb der Go-Gemeinschaft durchgeführt. Der folgende Artikel soll Ziele, Vorgehensweise und erste Ergebnisse der Studie kurz darstellen.

Ziele

In Deutschland hat sich insbesondere in den letzten Jahren eine ziemlich aktive Go-Gemeinschaft gebildet. Mit meiner Studie will ich dieses Netzwerk etwas näher unter die Lupe nehmen. Dazu möchte ich verschiedene Messgrößen aus der Theorie der “Social Network Analysis” für das Go-Netzwerk berechnen und daraus Aussagen über unsere Gemeinschaft ableiten. Außerdem will ich untersuchen, ob es einen Zusammenhang zwischen persönlichem Netzwerk und Lernfortschritt gibt (dazu bedarf es allerdings einer Folgeumfrage). Mein Ziel ist es NICHT, die Go-Gemeinschaft in irgendeinem Sinne zu sezieren oder durchzuoptimieren wie es einer von euch per Mail gemutmaßt hatte, sondern es geht mir nur um den Erkenntnisgewinn und die Freude an der Sache.

Vorgehensweise

Zum Sammeln der Daten habe ich einen Online-Fragebogen erstellt und eingesetzt. Zusätzlich zu den personenbezogenen Go-Daten (Name, Spielstärke, Landesverband) habe ich nach den Beziehungen zu anderen Go-Spielern gefragt. Es sollten die eigenen Lehrer und Spielkontakte eingegeben werden. Die Anwendung ist so aufgebaut, dass es für jeden Spieler eine Übersichtsseite gibt, auf der ein- und ausgehende Verbindungen dargestellt werden und von der aus das Go-Netzwerk erkundet werden kann. Außerdem gibt es eine nach verschiedenen Kriterien sortierbare Gesamtübersicht aller angemeldeten Spieler.

Ergebnisse

Es haben sich 119 Spieler vom 6d bis zum Anfänger (Schwerpunkt 1k/1d) angemeldet und knapp 800 Beziehungen eingegeben. Alle Landesverbände waren vertreten, NRW erwartungsgemäß am stärksten, aber auch aus den Verbänden Hamburg und BST haben sich viele Spieler angemeldet.

Doch nun zu den Ergebnissen im Einzelnen:

Bewertung

Natürlich sind die Ergebnisse kritisch zu hinterfragen. Es stellt sich vor allem die Frage, inwieweit sich die Ergebnisse auf die Go-Community im Ganzen verallgemeinern lassen. So hat jemand im Forum angemerkt, dass die einzig wirklich gesicherte Erkenntnis wäre, wieviele und welche Typen von über 2000 organisierten Go-Spielern man durch einen Aufruf in Forum und Mailingliste dazu bewegen könne, an solchen Umfragen teilzunehmen. Dieses Problem hat man aber bei allen Studien, zu deren Teilnahme man die Leute nicht zwingen kann – also de facto immer. Deswegen sind die Daten jedoch keineswegs gleich wertlos, sondern einfach nur mit Vorsicht zu genießen. Der eifrigste Lehrer zum Beispiel, ist hier nicht derjenige, der die meisten Leute gelehrt hat, sondern derjenige, dessen Schüler ihn auch am häufigsten eingegeben haben.

Mir selbst hat die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Umfrage viel Spaß gemacht und gelernt habe ich auch eine ganze Menge. Ich bin noch keineswegs fertig mit der Auswertung dieser Umfrage und es wird auch noch eine Folgeumfrage geben, die ich wieder über die Mailingliste ankündigen werde, und für die ich jetzt schon einmal um Unterstützung bitten möchte. Danken möchte ich allen Teilnehmern, insbesondere jedoch denen, die mir wertvolles Feedback über das Forum oder per Mail gegeben haben. Sonst wüsste ich beispielsweise bis heute auch nichts über die Shusaku-Zahl, den Abstand im Go-Netzwerk zu Honinbo Shusaku (falls ein Leser zufällig seine Shusaku-Zahl kennt, würde ich diesen besonders bitten, teilzunehmen und mir die Zahl mitzuteilen, da daraus ja für viele Teilnehmer eine obere Schranke für ihre Shusaku-Zahl ermittelt werden könnte).

Abschließend möchte ich auf mein Blog steffen-mazanek.de/blog hinweisen, in dem ich die Methoden und Algorithmen genauer erkläre, nach denen ich vorgegangen bin. Neue Erkenntnisse und eine Vielzahl weiterer Graphiken zur Studie findet ihr auf steffen-mazanek.de/sna/go-umfrage.

Bilder

Hier ein paar erste Bilder, es folgen mehr: