Event: Kollektive Intelligenz @ BarCamp Cologne
Ich bin seit heute Camper! Nein, es sind zwar sommerliche Temperaturen draußen, aber ich habe mich nicht in eine Dackelhütte gequält. Stattdessen habe ich mein erstes Barcamp in Köln besucht. Nachdem sich die Unkonferenz-Teilnehmer eingefunden, mit einem umfangreichen Frühstück gestärkt und in der Vorstellungsrunde selbst getagged hatten, wurde der Tag kollektiv ausgeplant. Dazu haben die Seminarmoderatoren kurz ihr jeweiliges Thema vorgestellt und je nach Interesse der Leute einen kleineren oder größeren Raum festgelegt.
Leider konnte ich nur an der ersten Seminarrunde vollständig teilnehmen. Da mehrere Seminare parallel angeboten wurden, hatte ich die Qual der Wahl. Ich habe mich mit dem Thema "Collective Intelligence" (CI) schweren Herzens gegen die "Flash meets Ajax"-Sitzung entschieden.
Das besondere an der CI-Session war, dass es keinen Vortrag gab, sondern "nur" ein allgemeines Brainstorming. Folgenden Reifungsprozess habe ich während der ca. einstündigen Session durchgemacht:
- Hinter dem Begriff CI muss etwas Greifbares stecken; es reden ja schließlich alle davon.
- Warum reden die Leute von CI, wenn sie eigentlich kollektive Kreativität meinen?
- Ist CI ein Euphemismus für Herdentrieb?
- Intelligenz versus Wissen oder die Frage: Ist Wikipedia intelligent?
- Kollektives Wissen versus Geistiges Eigentum?!
- Kollektiv lassen sich relevante Probleme umfassender und facettenreicher identifizieren, aber nicht unbedingt schneller lösen.
- Oder was ist mit folgendem Modell: Man betrachte das "Weltwissen" als Fläche, die über die Zeit von einigen Menschen in verschiedene Richtungen erweitert wird. Die meisten Menschen tragen zum Weltwissen wenig bei, beeinflussen aber durch ihre Bedürfnisse maßgeblich die Richtung, die die Forscher einschlagen. Andererseits: Ist es nicht gefährlich, Menschen über Forschungsgegenstände abstimmen zu lassen? Was ist mit der Grundlagenforschung?
Fragen über Fragen und leider zu wenige Antworten.
Die Diskussion hat in meinen Augen darunter gelitten, dass es kaum Eingriffe durch den Moderator gegeben hat. So hätten nämlich einige Vielredner eingefangen und ein einigermaßen strukturierter Ablauf inkl. Definitionsversuchen etc. sichergestellt werden können. Schade auch, dass kein Vertreter der "Künstliche Intelligenz"-Fraktion dabei war.
Nichtsdestotrotz, dies war nicht mein letztes Barcamp. Ich habe die Lockerheit genossen, mit der über komplizierte Sachverhalte gefachsimpelt worden ist, auch wenn es den Unkonferenzen wahrscheinlich und hoffentlich nie gelingen wird, richtige Konferenzen zu verdrängen. Und vielleicht sehe ich den einen oder anderen Bekannten ja schon auf dem BarCamp Nürnberg am 16.12.06 wieder.
Tags: barcampcologne collective+intelligence barcamp köln unkonferenz web20
1 Comments:
Hi,
da ich mich auch gerade damit beschäftige das Wort kollektive Intelligenz ein bisschen konkreter mit Inhalt zu füllen war der Beitrag recht hilfreich. Nämlich unter dem Gesichtspunkt, dass es sehr viel offene Fragen und recht wenig Antworten gibt.Ich kenne bis jetzt außer "Die kollektive Intelligenz" von Pierre Lévy kein weiteres Werk was sich explizit damit beschäftigt. Falls du nicht schon darauf gestoßen bist, unter: www.marcelbernatz.de habe ich ein Video eines Interviews mit Professor Peter Kurse eingebettet, welches von DNAdigital geführt wurde. Das geht auf jeden Fall noch etwas weiter in das Thema herein.
gruß marcel
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